Der Mensch liebt den Verrat aber nicht den Verräter

Wurde mit instagram aufgenommen

In the early years of the Industrial Revolution, the Yale Report of 1828 asked whether the needs of a changing society required either major or minor changes in higher education. The report concluded that it had asked the wrong question. The right question was, What is the purpose of higher education?
Arthur E. Levine, President of the Teachers College of Columbia University

Nur Parteimeinungen zählen etwas

Thilo Sarrazin hat ein neues Buch herausgegeben und die politische Landschaft ist einmal mehr aufgeschreckt. Natürlich betreibt Sarrazin eine effektive und sehr geschickte Öffentlichkeitsarbeit. Reflexartig erheben sich die Stimmen in den Parteien, die die selektiert vorveröffentlichten Aussagen Sarrazins pauschal ablehnen. Was Sarrazins Argumente im Detail besagen, weiß dabei niemand. Alles was dieser preisgibt ist, daß er den weiteren Verbleib Griechenlands in der Eurozone für fragwürdig hält. Das denkt er nicht alleine, aber wenn er es sagt, sind die Reaktionen heftiger, schließlich ret da ein populären Mann, der einst aus den eigenen Reihen kam und zudem kurzzeitig in der Bundesbank tätig war.

Mag sein, daß das zu heftigerer Kritik anspornt. Aber wie diese geführt wird, ist höchster Ausdruck von Unkultur im Diskurs. Alles folgt der Technik, um jemanden als nicht Erwünschten zu brandmarken, um sich nicht weiter damit befassen zu müssen. Die Spitzen der Parteien rühmen sich zwar immer ihrer breiten Diskussionen, die sie geführt hätten, verfallen angesichts der Kritik an der Eurostrategie allerdings schnell in einen vorverurteilenden Ton und die Aufforderung zum Diskussionsboykott, der Sarrazin wiederum in die Hände spielt. Eine offene Diskussion um die Zukunft des Euro nimmt damit der Politik niemand mehr ab.

Schulden sind kein Wahlkampfthema?

Nach der Wahl in NRW bleibt die Frage offen, ob das Thema der Verschuldung überhaupt noch ein Wahlkampfthema ist. Offenbar gibt es größere Gruppen von Wählern, denen dieses Thema nicht so wichtig ist. dafür kann es nur drei Gründe geben:

  1. Sie sind womöglich in einem Alter, in dem es ihnen nicht mehr so wichtig ist, da sie ja nicht mehr von den Folgen betroffen sein werden. Diese Haltung findet sich ja bereits bei Bildungsthemen.
  2. Sie sind mehrheitlich abhängig von den staatlichen Finanzleistungen oder finden sie Fürstin persönlich von Vorteil, etwa der durchsubventionierte Kulturbetrieb in Berlin, der für viele zu den Attraktionen der Stadt gehört, obwohl sie sich bspw. auch teurerere Eintrittspreise leisten könnten.
  3. Oder verstehen womöglich viele Menschen das Problem nicht. Schließlich sind direkte Auswirkungen bei uns noch lange nicht zu spüren. Wenn dem so wäre, hätten wir ein Vermittlungsproblem.

Pendlerzynismus

Im ICE von Mannheim nach Frankfurt. Der Zug fährt sehr lange sehr langsam. In einer zusammengehörigen Gruppe von drei stellt einer fest: “wir fahren ja schon wieder so verdächtig langsam”. Darauf sein Kollege: “Vielleicht liegt wieder jemand auf den Gleisen”. Darauf fällt die Kollegin an seiner Seite ernsthaft erstaunt ein: “Aber es ist doch noch nicht Herbst”.

Kampagne und Image - wer war zuerst da?

Der Fall der ERGO Versicherung zeigt sehr schön, daß es nicht alleine reicht, eine nette, cineastisch inspirierte Imagekampagne aufzusetzen und schon wandelt man sich vom Saulus zum Paulus.

Nicht, daß die Kampagne an sich schlecht war. Sie war sicherlich der Versuch, auf die Versicherten und die, die es werden sollen, zuzugehen, indem man ihre primären Bedenken hinsichtlich des Gebahrens der Versicherungen nahm.

Es scheint heute aber eher zweifelhaft, ob eine derartiger Imagewechsel tatsächlich auf die Schnelle zu machen ist. Zu viele Leichen im Keller sind schlecht, insbesondere wenn man jede Menge Neider in der Branche aber auch in den Medien hat, die den Wechsel zu hinterfragen suchen.

Auch die Internetgemeinde ist schnell in ihren Reaktionen, wie das kurz nach dem Bekanntwerden der ersten Skandals auf YouTube erschienene Remake des bekannt gewordenen Imagespots der Versicherung beweist.

Jetzt kommt der zweite Teil der Kampagnen-Demontage: Die Welt berichtet von Vorgängen, die so oder ähnlich wahrscheinlich in jeder Versicherung zu finden sein würden. Ergo wird an seine alten Gepflogenheiten erinnert und für die Kampagne heißt das: erst muss sich das Geschäftsgebahren nachhaltig ändern, damit die Kampagne glaubhaft wird. Die Frage ist, wie das in einer schnellebigen Welt, in der nur noch der hoch angesehen wird, der schnell Ergebnisse produziert - wie nachhaltig diese auch immer sein mögen - gelingen kann.

Die Liberalen im Bundestag haben derzeit einen schweren Stand. Einerseits steht da das Versprechen des neuen Bundesvorsitzenden Rösler, von nun an zu liefern, andererseits hat man es mit einem Koalitionspartner zu tun, der einem die Butter auf dem Brot neidet, wie der Tagesspiegel exemplarisch beschreibt ( http://www.tagesspiegel.de/politik/wie-die-fdp-schon-wieder-den-schwarzen-peter-gezogen-hat/4276648.html)

Die CDU geht dabei merkwürdigerweise davon aus, daß sie von dieser Vorgehensweise politisch profitieren würde, obwohl sie mittlerweile nur noch knapp vor den Grünen in der Wählergunst stehen. Die Theorie der Leihstimmen, die schon alsbald wieder zurück kämen, wird schwerlich aufgehen. Alleine die CDU will das offenkundig nicht wahr haben.

Derzeit scheinen die Liberalen ein wenig zwischen allzu optimistischem Blick hinsichtlich der Koalitionsraison einerseits und der Angst vor dem Absturz in die Bedeutungslosigkeit andererseits zu taumeln.

In manchem Moment scheint der Ausstieg aus der Koalition wirklich eine Option. Taktisch wäre das sicherlich unklug aber was nutzt es, wennan nicht mehr von der bestehenden Situation profitieren kann? Strategisch wird man jedoch nur erfolgreich sein, wenn man eine klare Vision seiner Politik glaubhaft vertreten kann.

Das geschriebene Programm lesen Wenige. Aber wie sich das Spitzenpersonal unserer Partei verhält, das beachten alle.
Wolfgang Gerhardt MdB, Vorsitzender der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit 
Viele reden von der Marktwirtschaft und wenn’s eng wird, dann meinen sie etwas ganz anderes
Rainer Brüderle, Bundeswirtschaftsminister