Ein Putsch in die bessere Zukunft?

Die Überschrift Sanfter Militärputsch beschert Ägypten Neuanfang läßt vermuten, es gebe einen “sanften” und einen “unsanften” Putsch. Es ist aber einerlei, wie ein Putsch geartet sein mag. In diesem Falle entfernt er eine gewählte Regierung aus dem Amt. Mit dem Extremisten Mursi ist sicherlich kein demokratischer Staat zu machen und wirtschaftlich hat er offenkundig der Bevölkerung nicht die perspektive geben können, die sich diese erhoffte. Aber eine Demokratie - sofern sie denn in Ägypten als solche weitergeführt werden sollte - muß das aushalten.

So mag der Putsch kurzfristig Jubel herbeiführen. Langfristig jedoch werden sich sicherliche einige Muslimbrüder, angesichts der jähen Beendigung ihres demokratischen Experiments, radikalisieren und in den Untergrund abtauchen. Ob diese Perspektive verheißungsvoller ist, mag dahingestellt sein.

Ein Putsch - oder womöglich jede radikale Umkehr - kann keine wirkliche Lösung sein. Wenn demokratisch gewählte Präsidenten letztlich nur durch die Geduld des Militärs regieren, dann ist dieser Staat schlicht nicht reformierbar, egal in welche Richtung. Jede Zumutung, die den Unmut herbeiführt, kann gleich zum Umsturz führen. Keine Perspektive für die Demokratie, die auch davon lebt, dass sie mit in ihr wohnenden Extrempositionen umzugehen weiss.

Malu Dreyer steht für das freundliche Antlitz einer unfreundlichen Politik
Volker Wissing, FDP Landesvorsitzender Rheinland-Pfalz

Reicht Bildungsgeld zur Qualifizierung?

Nachdem der Bundestag das Bildungssparen im Zusammenhang mit dem Betreuungsgeld beschlossen hat, stellt sich die Frage, was daraus folgen wird. Bildungssparen ist seit langem im Gespräch, spätestens seit die Bolognareform den Absolventen insbesondere von Bachelorstudiengängen einen erheblichen Weiterbildungsbedarf mit auf den Weg gegeben hat. Für diesen will niemand zuständig sein, weder der Bund, noch die Länder, noch die Arbeitgeber. Also diskutierte man bereits vor Jahren darüber, wie man ein Gutschein- oder Sparsystem einführen könnte, das es den Betroffenen ermöglicht, ihren Weiterbildungsbedarf zu decken.

Diese Diskussion kam ganz offensichtlich zu keinem wirklich fruchtbaren Ergebnis. Jetzt kommt diese Diskussion wieder im Zusammenhang mit Kleinkindern auf, was ein wenig seltsam anmutet, wird doch offenbar nur ein Finanzierungsbedarf für die Schulzeit bei denjenigen festgestellt, die nicht in den Kindergarten gehen. Wahrscheinlicher wird deshalb eine Ausweitung des Systems auf andere Bildungsbereiche, auch den beruflichen Weiterbildungsbereich. Die Frage ist nur, ob sich dieser Trend auch mit dem der innerbetrieblichen Weiterbildung deckt. Immer mehr Prozesse werden automatisiert auch in Berufen, für die man nie eine Automatisierung direkt vorhersah. Im medizinischen Bereich werden bereits immer mehr Diagnosen und Medikamentierungen automatisiert. Der Mediziner wird dafür immer weniger notwendig, es sei denn er ist hoch qualifiziert.

Unternehmen setzen immer mehr auf weniger vollständig ausgebildete Mitarbeiter, die sich durch kleine bis kleinste Lerneinheiten auf Aufgaben und Prozesse qualifizieren wenn es notwendig ist. Nur Hochqualifizierte haben dann eine Chance auf weiterführende Karrieremodelle. Da dieses innerbetrieblich auf sehr spezifische Weise passiert, ist die Frage, wie sich allgemeine Weiterbildung in dieses Szenario einbetten läßt und ob es, bei höchster Qualifizierung, nicht wesentlich teurer wird, als Bildungssparen in der vorgesehenen Form es finanzieren könnte.

Die Finanzmarktkrise war im Grunde ein riesiger doppelter Irrtum - die Banken glaubten, sie hätten ausreichend Vorsorge getrieben, die Bankenausfsicht dachte, sie hätte ausreichend reguliert.
Prof. Dr. Roland Vaubel, Hambacher Symposium 2012

Wurde mit Instagram in Frankfurt Messe halle 4 aufgenommen

Sommer in Schweden.