Nur Parteimeinungen zählen etwas
Thilo Sarrazin hat ein neues Buch herausgegeben und die politische Landschaft ist einmal mehr aufgeschreckt. Natürlich betreibt Sarrazin eine effektive und sehr geschickte Öffentlichkeitsarbeit. Reflexartig erheben sich die Stimmen in den Parteien, die die selektiert vorveröffentlichten Aussagen Sarrazins pauschal ablehnen. Was Sarrazins Argumente im Detail besagen, weiß dabei niemand. Alles was dieser preisgibt ist, daß er den weiteren Verbleib Griechenlands in der Eurozone für fragwürdig hält. Das denkt er nicht alleine, aber wenn er es sagt, sind die Reaktionen heftiger, schließlich ret da ein populären Mann, der einst aus den eigenen Reihen kam und zudem kurzzeitig in der Bundesbank tätig war.
Mag sein, daß das zu heftigerer Kritik anspornt. Aber wie diese geführt wird, ist höchster Ausdruck von Unkultur im Diskurs. Alles folgt der Technik, um jemanden als nicht Erwünschten zu brandmarken, um sich nicht weiter damit befassen zu müssen. Die Spitzen der Parteien rühmen sich zwar immer ihrer breiten Diskussionen, die sie geführt hätten, verfallen angesichts der Kritik an der Eurostrategie allerdings schnell in einen vorverurteilenden Ton und die Aufforderung zum Diskussionsboykott, der Sarrazin wiederum in die Hände spielt. Eine offene Diskussion um die Zukunft des Euro nimmt damit der Politik niemand mehr ab.
